Liebe kann blind machen?!

Eine Gesichte über Gewalt, Suizidversuche und psychische Erkrankung – erzählt aus der inneren Stimme einer Frau, die nicht aufgab.



Es folgten Monate, in denen alles anders schien.
Er ging regelmäßig zur Therapie.
Und tatsächlich – er veränderte sich.
Seine Stimme wurde sanfter, seine Gesten wärmer.
Er legte mir die Welt zu Füßen.
Es gab Urlaube, Lachen, Momente, die fast so wirkten,
als wären all die Jahre davor nur ein böser Traum gewesen.

Er unterstützte mich in meiner Ausbildung.
Er ließ mich Raum nehmen, förderte mein Dasein,
gab mir das Gefühl, dass ich wichtig war –
nicht nur als Partnerin, sondern als Frau.
Und tief in mir begann etwas zu wachsen,
das ich lange verloren geglaubt hatte: Vertrauen.

Ich fragte mich manchmal, ob das, was er auslebte,
nur eine Art Fetisch war.
Etwas, das er kontrollieren wollte, um seine innere Leere zu füllen.
Etwas, das nichts mit mir zu tun hatte –
sondern mit ihm.
Und ich versuchte, es so zu sehen,
um leichter vergeben zu können.

Dann kamen seine Pläne.
Zuerst das Haus.
Ein gemeinsamer Ort, ein Fundament für die Zukunft.
Dann die Hochzeit.
Ein Versprechen, diesmal bewusst, diesmal erwachsen.
Und schließlich – ein Kind.
Nicht als Drohung, nicht als Druck,
sondern als klarer Wunsch, geboren aus seinen Therapiesitzungen.
Er sagte, er wolle eine Familie, richtig und vollständig.

Und ich…
ich dachte, ich sei angekommen.
Endlich.
Nach all den Jahren voller Dunkelheit schien hier Licht.
Ein Leben, das so normal, so friedlich, so selbstverständlich wirkte.
Ein Zuhause.

Doch der Schein trügt.
Und ich spürte – tief in mir –
dass unter der glänzenden Oberfläche
etwas wartete.
Etwas Altes.
Etwas, das nicht für immer begraben blieb.

Posted in

Hinterlasse einen Kommentar